TeXXS-Kommentar zu:
Mord der Athene
Eine Privatdetektivin sitzt in ihrem Büro und reinigt ihre Nase, als ein Klient hereingestürzt kommt. Er knallt seine Todesanzeige auf den Schreibtisch. Jemand hat ihn für tot erklärt, vermutlich jemand an seinem Institut. Diesen Jemand soll die Detektivin herausfinden.
Ein Detektivinnenroman also, erzählt aus der Ich-Perspektive. Damit wird in den ersten Absätzen die Erzählstimme festgelegt und auch, was erzählt werden kann. Da ich als Leser alles durch die Augen der Detektivin "erlese", kann ich nur erfahren, was diese denkt, sieht, hört.
Und vor allem muss diese Erzählerstimme konstant bleiben. Es ist eine etwas schnoddrige Stimme (aber nicht übertrieben schnoddrig), eine Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, eine Frau, die sich so leicht nichts vormachen lässt.
Am Anfang habe ich den Text gerne gelesen, aber bald hat er mich "hinausgeworfen". Und zwar etwa ab der Stelle, ab der die Detektivin über ihre Kleidung räsonniert {9}.
Warum?
Hier erfahre ich als Leser alles über die Kleidungsgewohnheiten der Detektivin. Nur: würde die in diesem Moment ihre Kleidung durchgehen? Ist es überhaupt nötig, dem Leser das mitzuteilen? Hier verlierst du als Autorin deine Erzählerstimme und auch an Tempo. Vielleicht statt der ausführlichen Kleidungsliste: "Vermutlich verbrachte er an einem Morgen mehr Zeit vor dem Spiegel als ich in einem Jahr."
Damit würde Perspektive und Stimme beibehalten und der Leser erführe in einem knappen Satz das, was jetzt in einem Absatz steht und mich beim Lesen aus dem Text geworfen hat: Sandra legt wenig Wert auf ihre Kleidung.
Der Herr Professor weiss auch gleich, was die engagierte Detektivin zu tun hat: Sie soll als Hilfskraft eingeschleust werden.
Und Sandra Isolde Zerweck akzeptiert das widerspruchlos? Das glaube ich nicht, sie ist nicht die Person, die sich ihre Arbeitsmethode vorschreiben liesse. Da ist ein Bruch zu Sandra, wie ich sie als Leser bisher erlebt habe. Und selbst mir als Laien fallen da sehr viel effizientere Nachforschungsmethoden ein. Die Anzeige wurde per Telefon aufgegeben. Aber die Zeitung will Geld sehen, hat also entweder nach einem Konto oder einer Kreditkarte gefragt. Auch da liesse sich der Text verbessern. Zumal sich hier gleich am Anfang die Gelegenheit böte, einen durchaus realistischen Konflikt zwischen Professor und Detektivin anzulegen.
Auf jeden Fall sollte der Text noch einmal auf Erzählstimme und Perspektive kontrolliert werden. Ich jedenfalls habe beim Lesen gemerkt, dass im hinteren Teil deutlich Spannung und Tempo verloren gingen, meiner Meinung nach aufgrund der Probleme mit der Erzählstimme.
Ein weiteres Problem sind Klischees. Dass ein Detektiv bei einem unangenehmen, aber reichen Klienten das Honorar aufschlägt {5}, kommt in Krimis nicht grade selten vor. Auch das könntest du verbessern. Vielleicht: "Ich nannte ihm den Honorarsatz, der seinem Anzug entsprach".
Die Trine im Empfang, die in Modezeitschriften blättert, kommt auf den ersten vier Seiten sehr häufig vor. Da würde eine Erwähnung auch genügen, ich würde die restlichen Stellen streichen.
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