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Spannung – der Unterleib der Literatur

Spannung ist wie Sex. Theoretisch kann man es nicht lernen, man muss es machen, mit Leib und Seele dabei sein - aber wie Sockenhalter, Körpergeruch und lange Unterhosen nicht grade die erotische Stimmung fördern, gibt es einiges, was ein Autor beachten sollte, will er spannend schreiben.

Spannung ist wie Witze erzählen. Es genügt nicht, dass man den Witz kennt, man muss ihn auch erzählen können. Manche schaffen es, andere nicht. Doch wie haben gute Witzeerzähler das gelernt? Sicher gehört auch Talent dazu, noch wichtiger ist aber etwas anderes: Ein guter Witzeerzähler kennt sein Publikum, er beobachtet seine Zuhörer, und so lernt er, wie er den Witz erzählen muss, damit er wirkt. Es kommt nicht auf das "Was" an, sondern auf das "Wie". Es gibt Autoren, die können selbst eine Telefonliste in eine spannende Lektüre verwandeln und Witzeerzähler, die mit den ältesten Kamellen Lachsalven ernten.

Was heißt: Ein Autor sollte sich möglichst bald ein Publikum suchen. Nein, nicht Freunde und Familie, denn die finden seine Geschichte spannend, weil sie den Autor kennen und wenn er sie langweilt, sagen sie es ihm nicht.

Sondern ein Publikum, das ihm sagt, was es spannend fand - und was nicht. In den meisten Fällen werden es andere Nachwuchsautoren sein. Oft ist der erste Auftritt deprimierend. Die Geschichte fällt durch. Gut, wenn das Publikum einem nicht nur sagt: Nein, es war nicht spannend, sondern auch weiterhelfen kann: Vielleicht solltest du näher an die Gefühle deines Helden herangehen? Das Internet ist eine Möglichkeit, ein Publikum zu finden, offene Autorentreffen, wie es sie mittlerweile in vielen Städten gibt, eine andere.

Ich kenne einen Autor, der bereits spannende Bücher veröffentlicht hat und auf dem Seminar einen Text als "spannend" vorstellte, der jede Spannung vermissen ließ. Auch arrivierte Autoren kochen nur mit Wasser. Aber sie glauben nicht, dass sie, wenn sie das Wasser zum Sprudeln bringen, bereits zwei Sterne im Guide Michelin verdient haben. Kein Zweifel, obigen Text werde ich bald wiedertreffen - und dann wird er spannend sein.

Es gibt eine weitere Möglichkeit, die wenig genutzt wird: Erzählt eine "spannende" Szene in eigenen Worten nach. Schließlich lernen Musiker dadurch, dass sie bekannte Musikstücke nachspielen, Maler malen die Werke anderer ab, Schachspieler spielen die großen Partien der Meister nach. Warum nicht auch Autoren? Lest kleinen Kindern die Märchen nicht vor, sondern erzählt sie ihnen. Im Alter von vier oder sechs Jahren hören Kinder nicht aus Höflichkeit zu. Entweder der Erzähler kann sie fesseln oder eben nicht, und das macht ihm sein Nachwuchspublikum sofort und brutal klar.

Wann ist eine Geschichte spannend?

Wenn der Leser (oder Zuhörer) unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Wenn er nicht auf die Toilette geht, bis die Blase ihm platzt und er auch dann das Buch mitnimmt.

Spannung ist ein Leserphänomen. Die Leser, nicht der Autor empfinden die Spannung. Deshalb ist es so wichtig, sein Publikum zu kennen. Regeln nützen da gar nichts, ein Text kann sämtliche Schreibregeln beachten, von allen Literaturwissenschaftlern als "künstlerisch wertvoll" gepriesen werden, stilistisch noch so geschliffen funkeln, wenn der Leser nicht mitgeht, dann ist der Text eben nicht spannend.

Spannung ist eine milde Form von Hypnose, hat mit Manipulation zu tun, der Autor lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers aus seinem Leben weg in eine fiktive Welt, in die Welt der Romanfiguren und diese wird dem Leser für kurze Zeit wichtiger als seine reale Welt. Kein Wunder, dass Spannung wie Sex gleichzeitig heiß geliebt und zutiefst verachtet wird.

Wer will schon seine Leser manipulieren? Wer gibt schon gerne zu, dass er den Macho, die Hure spielen will? Dass es ihm um Sex, Verführung und sonst nichts geht, nicht um die hehre Liebe, nicht um politisch korrekte Leidenschaften. Sondern ...

Der Zensor im eigenen Kopf ist der größte Feind der Spannung, der Zensor, der aufschreit, das kannst du doch nicht schreiben, was wird das literarische Quartett dazu sagen? Der Nachbar, der dich jetzt schon misstrauisch anschaut? Ein Autor muss den Mut haben, sich auszuziehen, wer sich nicht nackt zeigen mag, sollte vom Schreiben wie vom Sex die Finger lassen. "Ich kann das nicht schreiben", denkt der Literat, der Trivialautor tut es einfach, die Leute verlachen ihn deswegen - und lesen heimlich seine Texte. Jeder Autor sollte sich den Satz über den Bildschirm hängen: Die Scham ist vorbei!

Kurz gesagt, ob eine Geschichte spannend ist, entscheidet der Leser, nicht der Autor und schon gar nicht Literaturwissenschaftler. Ob sie spannend ist, lässt sich auch nicht daran ablesen, ob alle Schreibregeln (oder auch nur bestimmte) eingehalten werden. Sondern einzig und allein daran, ob der Leser "am Ball" bleibt. Leser sind Masochisten, sie wollen, dass der Autor sie fesselt und auf die Folter spannt.

Wie wird Spannung erzeugt?

Es gibt verschiedene Arten von Spannung.

- das Rätsel - who did it?

- Suspense - der Leser weiß etwas, dass die Figuren nicht wissen: Unter dem Tisch, an dem die Helden sitzen, liegt eine Bombe, die in zehn Minuten losgeht. "Haut ab", schreit der Leser, doch niemand hört sein Rufen.

- Identifikation mit einer Figur, der Leser fiebert, leidet und fühlt mit der Romanfigur mit.

Sechs wichtige Eigenschaften machen Spannung aus:

1. Der Leser muss im Ungewissen gelassen werde. Wenn er Erwartungen aufbaut, denkt, aha, so läuft das - selbst wenn die Erwartungen nicht stimmen - fällt er aus dem Text und klappt das Buch womöglich zu. Folglich sollte es mehrere mögliche Alternativen geben und unklar sein, wie es weitergeht.

2. Der Leser muss orientiert sein, ihm muss klar sein, wo er sich befindet und was passiert - aber nicht klar, wie es weitergeht.

3. Die Geschichte sollte glaubwürdig sein und sinnlich geschildert werden.

4. Der Text sollte sich flüssig lesen lassen und die gewählten Stilmittel sollten zum Text passen.

5. Der Leser sollte einer Figur nahe sein und deren Gefühle intensiv spüren, der Blickwinkel der Figur mit steigender Spannung schrumpfen (Tunnelblick).

6. Der Text sollte ahnen lassen, das da noch etwas kommt - aber nicht was (die Ruhe vor dem Sturm).

Andreas Eschbach hat die sechs Punkte in einer Spannungslupe zusammengefasst. Leider kann ich diese Grafik hier nicht einbinden. Seht euch die sechs Punkte an, prüft eure Texte anhand dieser sechs Kriterien nach, wenn ihr sie spannender machen wollt.

Also doch Regeln? Jein. Kein Text wird alle diese Regeln erfüllen. Seht euch Szenen in Pageturnern an, die ihr spannend findet. Welche Punkte werden dort genau erfüllt, welche nicht?

Und wie in der Medizin der alte Satz gilt: "Wer heilt, hat recht", gilt für die Spannung: "Wer fesselt, ist spannend". Der Autor darf alles - solange er den Leser fesselt.

Zur Übung alles falsch machen

Nehmt eine spannende Szene aus euren Texten und verwandelt diese Szene in eine langweilige. Gebt euch jede Mühe, alles zu vermeiden, was auch nur entfernt nach Spannung riecht. Dann legt beide Texte anderen vor (ohne zu verraten, was ihr für spannend haltet). Oft ist es erstaunlich, was dabei herauskommt. Die Kritiker finden manche Teile der unspannenden Szene spannender als das Original.

Warum? Einmal verbessern sich Texte durchs Überarbeiten, selbst wenn der Autor sie verschlimmbessern wollte. Oft aber versuchen sich Autoren sklavisch an Regeln zu halten und übertreiben dabei. Beschreibungen machen Texte langweilig, steht in jedem Schreibratgeber. Und prompt werden alle Beschreibungen gestrichen. Natürlich machen viele Beschreibungen einen Text langweilig. Aber Beschreibungen, die dem Leser helfen, sich zu orientieren, die ihm zeigen, wo er ist und was passiert, sind nötig. Viele Texte sind unspannend, weil sie mit Beschreibungen überfrachtet sind, aber Texte fortgeschrittener Autoren sind oft unspannend, weil Beschreibungen fehlen, der Leser nicht weiß, wo er ist und was passiert, sich also nicht orientieren kann.

Oder der Autor versucht, literarisch zu schreiben. Der Zensor in seinem Kopf lässt ihn sofort alles streichen, quatscht ihm ständig dazwischen. Sagt ihm, du sollst keine Adjektive verwenden, du sollst keine Beschreibungen verwenden, du sollst ...

Oder dem Autor fehlen Alternativen. Wer nur einen Hammer hat, sieht überall Nägel. Der Autor schreibt immer gleich, die Kameraeinstellung ändert sich nicht.

Oder der Autor versucht, Spannung durch möglichst viel Action zu erzeugen. Auch dort wäre weniger mehr. Besser nur eine Verfolgungsjagd, die die Spannung langsam aufbaut, dem Leser erlaubt, sich mit den Personen zu identifizieren oder sie zu hassen, als ständige Crashs mit brennenden Autos und Leichen, für die sich kein Leser interessiert.

Oder der Roman soll durch Tempo Spannung erzeugen. Aber Spannung heißt nicht Tempo - ganz besonders nicht gleichförmiges Tempo -, im Gegenteil, oft erhöht es die Spannung, wenn der Autor das Tempo drosselt. Denkt an einen Film, die Hauptperson liegt am Boden, sieht den Stiefel auf sich zukommen, der Sand in den Profilrillen und ein zerquetschten Käfer und dann trifft der Stiefel sie im Gesicht und alles wird schwarz.

Eins werdet ihr jedenfalls feststellen. Bei Texten anderer Autoren seht ihr sofort, welche Texte ihr als spannend empfindet, bei den eigenen tut man sich viel härter.

Die Kameraeinstellung

In jedem Schreibbuch findet ihr die verschiedenen Perspektiven. Ich-Erzähler, Erzähler dritte Person, auktoriale Erzählung. Vergessen wird die Kameraperspektive.

Wie beim Film könnt ihr die Totale wählen, die große Übersicht, die Halbtotale, die Nähe und ganz nah. Das entspricht nicht der Perspektive, dem Point of View. Auch ein Ich-Erzähler kann eine "Totale" als Kameraeinstellung haben.

Der Held erreicht die Bergkuppe und sieht die lang gesuchte goldene Stadt vor sich im Tal. Er sieht den Fluss, die Boote, die darauf fahren, die Felder, die gerade abgeerntet werden, die Ochsenkarren, die zum Markt durch die Stadttore fahren, die Kathedrale, deren Turm aus dem Häusermeer hervorragt, die Berge im Hintergrund, von denen einige verschneit sind. Kameraeinstellung: Totale.

Natürlich kann der Autor nichts beschreiben, das der Ich-Erzähler nicht sehen kann. Aber die Kamera seiner Erzählung kann durchaus die Totale zeigen.

Der Ich-Erzähler erreicht die Bergkuppe und steht einem wilden Stier gegenüber. Er sieht die massige Gestalt, das graue Fell und als der Stier auf ihn zustürmt, nur noch die spitzen Hörner. Die Kamera ist auf nah, der Ich-Erzähler nimmt außer dem Stier nichts mehr wahr und wenn der losstürmt, hat der Ich-Erzähler den Tunnelblick, nimmt nur noch die spitzen Hörner wahr.

Was uns auf einen weiteren Punkt bringt. Die Spannung in einem Roman wie in einer Szene sollte einen Bogen bilden, sie sollte sich langsam aufbauen, den Höhepunkt erreichen und dann auslaufen. Je näher dieser Höhepunkt kommt, desto näher kommt auch die Kamera, desto enger wird der Winkel, desto mehr wird eure Romanfigur den "Tunnelblick" bekommen, nur noch das wahrnehmen, was wichtig ist.

Vielleicht erreicht der Held die Bergkuppe, sieht die langgesuchte goldene Stadt vor sich, betrachtet die Landschaft und die Stadt, geht langsam den Weg hinab, nimmt immer noch viel wahr, aber nicht mehr alles, da ist ein Hohlweg, der die Sicht einschränkt und da springt ein Räuber hinter einem Baum hervor. Wenn der Autor alles in der Totale schildert, wird es vermutlich nicht spannend.

Deshalb sollte man alle Möglichkeiten beherrschen. Nehmt euch einen Absatz eines eurer Texte vor und schildert ihn aus der Totalen, aus der Halbtotalen, aus der Nähe und ganz nah, direkt aus der Person.

Orientierung:

Ein Text kann auch Orientierungen enthalten, die entweder in die Vergangenheit zeigen oder in die Zukunft. Die Vergangenheit wäre ein kleiner Flashback, die Zukunft eine Andeutung, die auf etwas verweist, das noch passieren kann (aber nicht notwendigerweise muss).

Legolas erreichte die Hügelkuppe, sah unter sich die goldene Stadt. Dort würde er endlich das Rasiermesser finden, das immer scharf blieb, das nie geschliffen werden musste (Zukunftsorientiert).

Legolas erreichte die Hügelkuppe, sah die goldene Stadt. Er zog seine Pistole, kontrollierte, ob sie geladen war, wie man ihm im Training immer eingeschärft hatte. Janosch, sein Ausbilder, wäre stolz auf ihn. Er erinnerte sich an die Falten des alten Mannes und wie gut er trotz seines Alters den Degen zu führen verstand (Vergangenheitsorientierung).

Versucht mal eure Beispiele mit einer Zukunfts- bzw. Vergangenheitsorientierung zu versehen.

Trivialliteratur

Heftserien werden von richtigen Autoren oft belächelt. Trivialliteratur ist das, Schund und nur Primitivlinge lesen so was, die nicht fähig sind, einem anspruchsvollen Text zu folgen.

Kauft euch einmal ein John Sinclair Heft ("der Geisterjäger") oder anderen Heftromane. Ihr werdet sicher eine Menge Stilblüten finden. Doch bevor ihr laut herauslacht, versucht einmal selbst einen derartigen Text zu schreiben und vor allem spannend zu schreiben. Trivialliteratur zu schreiben, ist keineswegs trivial. Spannung ist hier das A und O. Wenn ihr so spannend wie diese Autoren schreiben könnt, dürft ihr über sie lachen. Vorher nicht.

Möglicherweise werden nicht alle sechs Anforderungen an Spannung erfüllt, vor allem an der Glaubwürdigkeit fehlt es oft. Aber es gibt tausende, die diese Hefte lesen, weil sie spannend sind und diese Leser sind weder blöd noch ungebildet. Im Dialog fehlen "sagte X.", "sagte Y." und trotzdem können die Leser genau verfolgen, wer was sagt. Die Autoren trauen sich Dinge zu schreiben, die ein Autor mit literarischen Ambitionen nicht mal zu denken wagte.

In den dreißiger Jahren gab es das bekannte Krimiheft "Black Mask". Dort haben Dashiell Hammett, Raymond Chandler und manch anderer gelernt, spannend zu schreiben. Für die amerikanischen Literatur hat der Herausgeber dieses "Schundhefts" mehr getan, als sämtliche Literaturwissenschaftler, die darüber die Nase rümpften.

Spannend Schreiben ist schnelles Schreiben

Mitreißende Romane sind oft schnell geschrieben worden. Simenon konnte einen Roman in elf Tagen schreiben, Stephan King sagt, dass er für seine - wesentlich dickeren Texte - nie mehr als drei Monate braucht, weil er sonst den Text verliert. Die Autoren tauchen in ihre Figuren ein, sie sind die Figuren, handeln wie diese (Simenon soll seine Frau einmal in einer solchen Phase geohrfeigt haben). Konsalik war bekannt dafür, dass er seine Romane "herunterhaute" - und die Überarbeitung seiner Lektorin überließ. Offenbar gibt es Autoren, die entweder kein Sprachgefühl haben oder denen es egal ist - und die dennoch spannend erzählen können.

Die Dynamik des Schreibens fördert die Spannung

Während dieser "wahnhaften" Phase ist der innere Lektor ausgesperrt. Er darf später korrigieren. Ob gutes oder schlechtes Deutsch spielt jetzt keine Rolle, jetzt geht es um die Figuren und ihre Geschichten. Mancher Autor gibt solche Schreibergüsse unkorrigiert im Verlag ab und die geplagten Lektoren müssen sehen, wie sie sie in lesbares Deutsch übertragen. Spannend sind diese Texte dennoch - bzw. grade deswegen.

Schreiben ist Telepathie, der Autor überträgt seine Gedanken auf den Leser. Ein spannendes Buch ist eine milde Hypnose.

Ist also alles, was den Autoren immer gepredigt wird, Quatsch? Ist ein guter Text immer ein Rausch, ein Musenkuss, der den Autor überfällt, ihn zwingt, seinen Text auszukotzen? Liegt hier der Grund für den Geniekult in der Literatur? Haben all die Schreibregeln nur den Sinn, die Autoren einzuengen, ihre Genialität abzutöten?

Ich denke, nein. Simenon hatte vorher über Figuren und Orte nachgedacht, Pläne gezeichnet: "Wenn ein Zimmer da ist, muss ich wissen, wo die Tür ist". Die Handlung entwickelte sich aber erst während des Schreibens aus den Figuren, aus der Fragestellung, was wäre, wenn? Und natürlich kam "nach dem Rausch" die Zeit, in der korrigiert wurde.

Doch so nützlich der innere Lektor ist, um den Text zu verbessern, es gibt eine Phase, da muss er schweigen: Wenn der Autor den ersten Entwurf fertig stellt. Alles zu seiner Zeit. Hinterher darf er wieder das Maul aufreißen, die Kommata korrigieren, die Unstimmigkeiten richtig stellen.

Originalität

Originalität verkauft sich schlecht, sagen die Verlagskaufleute, die Leser wollen die gleiche Geschichte immer und immer wieder hören. Literatur ist oft experimentell und Experimente haben es an sich, dass sie meist schief gehen. "Romeo und Julia" haben mit John Sinclair, dem Geisterjäger eines gemeinsam: die Geschichte wiederholt sich immer wieder, ständig werden neue Versionen auf den Markt geworfen und viele davon verkaufen sich gut.

Vielleicht liegt es aber nicht an der Originalität, sondern daran, dass sie so selten ist? Wie viele Texte sind originell? Wie viele sind einfach nur fehlgeschlagene Experimente? Vielleicht sollten Autoren sich fragen, ob das, was sie für originell halten, einfach altbekannter Spannungskiller ist? Sex in ungewaschenen langen Unterhosen mag originell scheinen, besonders erotisch waren diese "Liebestöter" aber schon vor hundert Jahren nicht.

Dieser Text entstand nach einem Seminar über Spannung mit Andreas Eschbach und Klaus Frick, der Inhalt stammt also nicht von mir. Für eventuelle Fehler im Text bin dennoch ich, nicht die Veranstalter verantwortlich. Das Seminar fand in der Bundesakademie in Wolfenbüttel unter dem Titel "Per Füllhalter durch die Galaxis" statt.

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Die Homepage von Andreas Eschbach sollte jeder besuchen, der schreiben lernen möchte.

Und jetzt gibt es Spannung - der Unterleib der Literatur, ein Buch über die hohe Kunst, Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen.

 

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